Dienstag, 31. Juli 2012

Suchaktion auf der Saale mit glücklichem Ende: Vermisster Jenaer entkräftet aber wohlauf gefunden!

(lsn / polizei) - Zu einer großen Suchaktion nach einem vermissten Schwimmer kam es am gestrigen Abend am Zeltplatz Kloster im Saale-Orla-Kreis. Kurz nach 23 Uhr war bei der Polizei in Schleiz ein Notruf eingegangen, dass ein 19-jähriger Jenaer zum Baden in das Wasser gegangen war und nach 20 Minuten immer noch nicht ans Ufer zurückgekehrt sei.

Da der Urlauber aus der Lichtstadt Alkohol getrunken hatte und bei völliger Dunkelheit in das Wasser der Bleilochtalsperre gesprungen war, musste seine Begleitung nach der langen Wartezeit davon ausgehen, dass dem 19-Jährigen etwas zugestoßen war. Die von der Polizei sofort verständigte DRK-Wasserwacht und die Saalburger Feuerwehr waren deshalb unverzüglich mit einem Einsatzboot nach Kloster gefahren; auch ein mit Wärmebildkamera ausgerüsteter Polizeihubschraubers machte sich zum Start bereit.

Doch schon kurz nach dem Eintreffen der Rettungskräfte am Ufer des Zeltplatzes konnte glücklicherweise Entwarnung gegeben werden: der 19-jährige Jenaer war von einem, mit einer Taschenlampe ausgerüsteten Bekannten, völlig entkräftet an einem Bootssteg, zirka 40 Meter von der Stelle entfernt, in der er ins Wasser gegangen war, entdeckt worden. Wie die Polizei in Schleiz mitteilte, habe der junge Schwimmer offenbar aufgrund der Dunkelheit und des Alkoholgenusses im Wasser völlig die Orientierung verloren, und sich im letzten Moment noch an den Steg retten können.

Traurige Spitzensposition für den Freistaat: Fast ein Viertel der Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe- und Dienstleistungsbereich Thüringens verdienten weniger als 8,50 Euro je Stunde!

(lsn / thürstat) - Nach ersten Ergebnissen der Verdienststrukturerhebung 2010 verdienten 24 Prozent der Beschäftigten im Produzierenden Gewerbe und Dienstleistungsbereich weniger als 8,50 Euro je Stunde. Damit lag Thüringen im Vergleich der neuen Länder über dem Durchschnitt (22 Prozent). In Deutschland verdienten 11 Prozent der Beschäftigten weniger als 8,50 Euro je Stunde. Dies gab das Thuringer Landesamt fur Statistik nun im Rahmen seiner vierjährlich durchgeführten Verdienststrukturerhebung bei ca. 1.300 Betrieben mit zehn und mehr Beschäftigten bekannt.

Die Beschäftigten mit einem Stundenverdienst unter 8,50 Euro setzten sich in Ost und West unterschiedlich zusammen: In den alten Bundesländern waren Minijobber die größte Gruppe (46 Prozent). Das sind meist Frauen und Beschäftigte ohne Berufsausbildung. Die größte Gruppe in den neuen Bundesländern waren Vollzeitbeschäftigte (53 Prozent).In Thüringen hatten mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten (60 Prozent) im Jahr 2010 einen Stundenverdienst von weniger als 8,50 Euro. Bei den Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten lag dieser Anteil bei jeweils 20 Prozent.

In Thüringen verdienten im Jahr 2010 mit 58 Prozent vorwiegend Frauen weniger als 8,50 Euro je Stunde. Unter den Beschäftigten mit einem Verdienst von weniger als 8,50 pro Stunde hatten 74 Prozent eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der größte Anteil der Beschäftigten mit einem Stundenverdienst unter 8,50 Euro arbeitete im Verarbeitenden Gewerbe (28 Prozent), gefolgt von dem Dienstleistungsbereich mit sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (26 Prozent), darunter war besonders stark die Branche der Firmen für Vermittlung von Zeitarbeitskräften (15 Prozent und hier vorwiegend Vollzeitbeschäftigte) vertreten. Es folgten weiter die Wirtschaftszweige Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen mit 12 Prozent, Verkehr und Lagerei mit 8 Prozent sowie das Gastgewerbe und Gesundheits- und Sozialwesen mit jeweils 7 Prozent.

Hinsichtlich ihrer ausgeübten Tätigkeit arbeiteten die meisten Beschäftigten mit einem Stundenlohn unter 8,50 Euro als Hilfsarbeitskräfte (28 Prozent), Verkäufer oder in anderen Dienstleistungsberufen (23 Prozent).

Multifunktionsarena in der Lichtstadt: Stadt Jena weist die langfristige Wirtschaftlichkeit für das mit einem Tagungszentrum ausgestattete Fußballstadion nach!

(lsn) - Vielleicht dachten einige Jenaer, mit dem Abstieg des FC Carl Zeiss in die Fußball-Regionalliga und die schwierigen EU-Vorgaben für die Ausreichung von Fördermitteln wäre es ruhig geworden um die geplante Multifunktionsarena in Jena. Doch die Stadt Jena war in der Zwicschenzeit fleißig gewesen und hat ihre "Hausaufgaben" gemacht.

Gestern reichte sie die Unterlagen für den Fördermittelantrag zu dem rund 35 Millionen Euro schweren Projekt bei der Thüringer Aufbaubank ein. Die Einreichung dauerte deshalb so lange, wie Jenas Finanzdezernent Frank Jauch gegenüber der Presse erklärte, da man auf die sog. "langfristige Wirtschaftlichkeitsrechnung" warten musste, die Prüfer der Firma PricewaterhouseCoopers erstellt hatten. Außerdem sei, so Jauch, der Fördermittelantrag an die neuen Gegebenheiten angepasst worden.

Die ursprüngfliche Bevorzugung des Profi-Fußballs (so waren auf 20-Jahres-Sicht Szenarien eines Aufstiegs des FC Carl Zeiss Jena in die zweite Bundesliga mit einkalkuliert worden) ist nun fallen gelassen worden und die langfristige Planung der Stadt mit der Multifunktionsarena geht nun davon aus, dass der Club in den nächsten Jahren drittklassig ist. Deshalb sei auch die vom FCC zu zahlende "Kaltmiete" für die "Ernst-Abbe-Arena" um etwa 100.000 Euro niedriger kalkuliert als zunächst angenommen.

Dem Fördermittelantrag zufolge sollen neben den 36 Sportveranstaltungen pro Jahr auch 76 Kultur- und Kongressveranstaltungen stattfinden. Neben einer Großtagung und acht Kleintagungen sind Privatfeiern, Konzerte oder Ausstellungen angedacht. Alle zwei Jahre, so die Kalkulation, soll in der "Abbe-Arena" ein Großkonzert steigen. Zwar sei, so Dezernent Jauch, die Mehrbelastung der Stadt durch die Multifunktionsarena bei etwa 400.000 Euro jährlich. Jedoch müsse man hierbei berücksichtigen, was die Stadt Jena als städtischen Investanteil für das jetzt bestehende Ernst-Abbe-Sportfeld / EAS (Foto oben) zu zahlen hätte und welche Einnahmen dem gegenüberstünden.

Doch bis zu einem möglichen Baubeginn auf dem Gelände des EAS seien, so Frank Jauch, noch viele Hürden zu nehmen. Zunächst warte die Stadt in Ruhe ab, wie die Europäische Union über das Projekt entscheide. Dann müsse sie, sobanld eine positive EU-Rückmeldung vorliege, mit der Erstellung eines Bebauungsplanes beginnen. Zwar habe die Stadtverwaltung den Auftrag schon an ein Planungsbüro vergeben, aber den Start hierfür zurückgestellt.

Schwierig scheint es indes, den Stadtrat der Stadt Jena zu überzeugen, weit mehr als die bisher angesetzten vier Millionen Euro freizugeben. Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter habe, so schreibt es jedenfalls die OTZ, hinter vorgehaltener Hand bereits angezweifelt, ob sich dort eine Mehrheit finden lässt, die dem Projekt zustimmt. Bekannt ist, dass z. B. die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag nicht geschlossen hinter den Stadion-Projekten in Erfurt und Jena steht.

Montag, 30. Juli 2012

"Vivi Beil ist Fußball-Europameisterin der U17-Frauen": FF USV Jena-Spielerin war am wichtigen 1:1 beteiligt!

(lsn / ffusv) - Deutschland hatte gestern im Elfmeterschießen gegen Frankreich die besseren Nerven und hat sich dadurch zum dritten Mal den Titel bei der UEFA-U17-Europameisterschaft für Frauen gesichert.

Merle Frohms war die Heldin bei den DFB-Juniorinnen, sie parierte die Elfmeter von Chloé Froment sowie Ghoutia Karchouni und sorgte damit für die Wende, nachdem zunächst Deutschlands Spielführerin Sara Däbritz an Romane Bruneau gescheitert war. Im Verlauf der Partie war Frankreich durch Kadidiatou Diani in der 57. Minute in Führung gegangen, zehn Minuten später markierte Pauline Bremer den Ausgleich.

Die Begegnung nahm von Beginn an Fahrt auf, beide Teams suchten den Weg nach vorne. Die erste Chance gab es in der 13. Minute, als Frankreichs Kapitän Sandie Toletti einen gefährlichen Volleyschuss abfeuerte, der an den Pfosten klatschte. Den Nachschuss setzte Léa Declercq über die Querlatte. Deutschland antwortete mit einem schönen Zuspiel von Venus El-Kassem auf Bremer, doch Bruneau entschärfte deren Flachschuss. Nach einer halben Stunde wurde Declercq von Laura Blanchard bedient, doch Frohms war auf dem Posten. Blanchard scheiterte anschließend mit einem Schuss aus der Distanz.

Kurz vor der Pause zeigten die Deutschen eine schöne Kombination über Daria Streng und El-Kassem, ehe Däbritz auf dem linken Flügel an den Ball kam. Diese entschied sich gegen ein weiteres Abspiel und versuchte es auf eigene Faust, doch ihr Abschluss war zu schwach. Nach dem Seitenwechsel verzeichnete zunächst Deutschland einen gefährlichen Freistoß von Vivien Beil, ehe beide Teams den hohen Temperaturen von mehr als 30 Grad Tribut zollen mussten und das Tempo nachließ.

Nach 57 Minuten lag der Ball aber dann doch im Netz. Die eingewechselte Candice Gherbi brachte die Kugel in den Strafraum, wo Diani zur Stelle war und mit rechts unhaltbar für Frohms verwandelte. Zehn Minuten später gelang Deutschland, dem Europameister von 2008 und 2009, der Ausgleich. FF USV Jena-Spielerin Vivi Beil (Foto links) brachte einen Freistoß in den Strafraum, und Bremer versenkte das Leder im Kasten von Bruneau.

Im Elfmeterschießen war Frankreich nach der Parade von Bruneau gegen Däbritz zunächst im Vorteil, doch Frohms machte die DFB-Auswahl schließlich zum Europameister. Für Frankreich war es bereits die dritte Finalniederlage, nach 2008 gegen Deutschland und im letzten Jahr gegen Spanien.

"INSIDE NSU - Details aus der Anklage!" - Was die Bundesanwaltschaft Zschäpe, Wohlleben und Em*ng*r vorwirft! - Teil 3

(ZONO Radio Jena) - In wenigen Wochen wird die Bundesanwaltschaft dem Bundesgerichtshof ihre Anklage gegen Beate Zschäpe als Mitglied der rechtsradikalen Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" / "NSU" vorlegen; eine weitere Anklage gegen Ralf Wohlleben als Unterstützer des "NSU" folgt noch im Jahre 2012.

Sechs Wochen lang, bis zum 20.08.2012, berichtet ZONO Radio Jena in seinem lokalen Hörfunkprogramm und auf "Lichtstadt.Netz" über den Abschluss der Ermittlungen, listet Details der einzelnen Anklagepunkte auf und gibt den chronologischen Ablauf der "NSU"-bezogenen Ereignisse zwischen dem Januar 1998 und dem November 2011 wieder. Heute ist es...


"INSIDE NSU" - Teil 3
Januar 2002 bis Januar 2005: Zwickau, Polenzstraße 2
(zusammengestellt von Tim Schwarz)

Vier Jahre sind Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe / BMZ zum Jahresbeginn 2002 bereits untergetaucht; seit einem Jahr leben "Gerry", "Max" und "Liese/Lisa" unerkannt in der Zwickauer Polenzstraße. Zwar haben Böhnhardt und Mundlos / BM während dieser Zeit bei vier Überfällen auf Postämter in Chemnitz und Zwickau sowie den Chemnitzer EDEKA-Supermarkt rund 120.000 DM (oder mehr als 60.000 Euro) erbeutet, allerdings leben sie von diesem Geld auch zu Dritt, kaufen sich Waffen, fahren in gemieteten Personenwagen, Vans, Wohnmobilen und mit der Bahn umher.

Rund 4.500 Euro haben sie durchschnittlich im Monat verbraucht, so hat die Bundesanwaltschaft errechnet, und die "geregelte Arbeit", der BMZ nachgehen, besteht darin, zu gegebener Zeit einen Raubüberfall auf ein Geldinstitut vorzubereiten und zu begehen, dadurch die Haushaltskasse aufzufüllen: bis zum Januar 2005 werden aus diese Weise nochmals rund 150.000 Euro hinzukommen.

Von den Nachbarn in der Polenzstraße 2 bekommt hiervon niemand etwas mit. Sie wundern sich noch nicht einmal darüber, dass niemand den Nachnamen von "Max" / M und "Gerry" / B kennt. Sie kennen vor allem die Mieterin der Erdgeschosswohnung: Z alias "Susann Dienelt", die sich "Lisa" rufen lässt, aber gute nachbarschaftliche Bekannte und Freundinnen dürfen sie "Liese" nennen. Während die Männer viele Stunden am Computer verbringen, bäckt und kocht Liese, was man im ganzen Innenhof riechen kann und das sei beileibe keine Belästigung gewesen, wie eine Nachbarin den Ermittlungsbeamnten berichtete, sondern "bei Liese hat es immer so gut aus der Küche geduftet".

Das heile Bild einer biederen kleinen Wohngemeinschaft halten BMZ auch sonst kräftig am Leben. Nachdem sie bereits 2002 Urlaub auf Usedom gemacht haben, wollen sie im Sommer 2002 nochmals an die Ostsee fahren um dort zu entspannen. Die Nachbarn freuen sich für die Drei, wollen so lange die Pflege der beiden Katzen Heidi und Lilly übernehmen, aber das macht schon Susann Em*ng*r, die häufig zu Besuch kommt, Zs beste Freundin ist und die Frau von André Em*ng*r / AE, der als "der dritte Mann" immer für BMZ da ist, wenn Hilfe benötigt wird. So ist es in dieser Zeit vor allem AE, der die PKWs,Transporter und Wohnmobile für BMZ anmietet.


Z zuliebe haben B und M mehr als ein Jahr lang auf einen weiteren Überfall verzichtet, morden zudem nicht mehr. Dafür verbringen sie ihre Zeit immer öfter am Computer; "Max" spielt mit anderen Usern u. a. "World Of Warcraft", ein Multiplayer-Online-Rollenspiel. Aber ihren Computer nutzen BM nicht nur zum Zeitvertreib. In ihrer Rolle als "Nationalsozialistischer Untergrund" feilen M und B 2002 und 2003 weiter an der theoretischen Unterfütterung des "NSU". Im März 2002 speichert M ein Dokument mit dem Bild-Dateinamen "NSU Brief.cdr" ab. Es ist das "Manifest" der "NSU", der einzige vorhandene Text, in dem versucht wird, dem "Nationalsozialistsichen Untergrund" so etwas wie einen ideologischen Pathos zu verleihen.

"Der Nationalsozialistische Untergrund verkörpert die neue politische Kraft im Ringen um die Freiheit der Deutschen Nation", heißt es darin. Die Aufgaben des "NSU" bestünden "in der energischen Bekämpfung der Feinde des Deutschen Volkes" sowie der Unterstützung von Kameraden. Getreu dem Motto "Sieg oder Tod" werde es kein Zurück geben. "Worte sind genug gewechselt, nur mit Taten kann ihnen Nachdruck verliehen werden." -Veröffentlicht wird der Brief, ebenso wie die beiden bis dahin produzierten Videos, anscheinend nicht. BMZ bleiben dabei: Der "NSU" ist eine Terrorbewegung, die ohne Bekennerschreiben auskommt.

Im April 2002 finden die Eltern von B einen weiteren Zettel in ihrem Jenaer Briefkasten, mit der Bitte um eine weiteres Treffen in Chemnitz. Ob ihn B selbst eingeworfen hat, konnte nicht festgestellt werden. Jedoch ist aus einer Zeugenaussage, die in der Anklageakte enthalt ist, bekannt, dass B in dieser Zeit tatsächlich in der Lichtstadt war, sich mit einem alten Freund auf dem zentral gelegenen Jenaer Eichplatz traf.

Beim letzten Aufeinandertreffen mit dem Ingenieur Jürgen Böhnhardt und seiner Frau Brigitte, die als Lehrerin arbeitet, in einem Chemnitzer Park, überraschen die Drei Bs Eltern mit der Nachricht, dass die "das letzte Treffen" sei. Z hatte Brigitte Böhnhardt zuvor um ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten ihres Sohnes gebeten und berichtet bei dem Treffen unerwartet von Auswanderungsplänen. Bs Mutter bittet M daraufhin, auf ihren Sohn "aufzupassen". Es ist ein tränenreicher Abschied, wie die Eltern in der ARD-Sendung "Panorama" berichten.

Australien und Südafrika sind in dieser Zeit tatsächlich Optionen für das Trio, wie übereinstimmend Max-Florian Bu. (das Alter Ego von "Max") und Holger Gerlach / HG (dessen Alter Ego "Gerry" ist ) den Ermittlern berichten - M und B nutzen jeweils Originalpapiere der beiden. Zu Max-Florian Bu. soll M sogar einmal gesagt haben: "Ich hätte mein Studium nicht abbrechen sollen. Ich habe mir mein Leben verbaut."

Dafür läuft es für die Drei in der Zwickauer Polenzstraße bestens: da sie überhaupt  nicht in das Klischee passen, dass Rechte aus dumpfen, dörflichen Milieus kommen, und sich so gut wie nie über Ausländer äußern, fallen sie hier niemanden unangenehm auf. Kein Nachbar denkt an "Max" und "Gerry", wenn von den Überfällen zweier Männer in Zwickau und Chemnitz erzählt wird.

Doch nach dem Sommerurlaub in Flensburg wird dem Terroristen-Trio des "NSU" das Geld knapp. Überfälle auf Postbank-Fillialen sind B und M inzwischen zu heikel geworden-. Sowohl in Chemnitz als auch in Zwickau scheint man bei Post und Polizei gewappnet zu sein für Überfälle, die immer gleich ablaufen: zwei maskierte Täter, einer (B) größer als der andere (M) stürmen in eine Post-Filliale, bedrohen die Kunden mit Pistolen oder Reizgas, einer springt über den ungeschützten Tresen und erbeutet in nur wenigen Minuten viele Tausend Euro, bevor beide auf Fahrrädern flüchten.

BM beschließen für den Herbst 2002, erstmals eine Sparkassen-Filliale zu berauben. Diese Geldinstitute sind zwar besser abgesichert als Postfillialen, auch kann man hier nicht einfach hinter den Tresen springen, trotzdem ändern B und M nichts Grundsätzliches an ihrem Vorgehen. Am Mittwoch, den 25.09.2002 stürmen sie maskiert in das Gebäude der Sparkasse in Zwickau-Auerbach. Beide tragen hierbei Perücken, Tücher vor dem Gesicht und Sonnenbrillen. Wieder geht B nach vorne und bedroht den Kassierer mit einem Revolver, M hat einen Rucksack auf, ein abgesägtes Gewehr in der Hand und deckt den Rückzug. Als B mehr Geld verlangt und der Kassierer sagt, man habe heute nicht viel Geld in der Kasse, bestehen beide darauf, dass der Tresor geöffnet wird. Und sie machen bei diesem Überfall ihre bisherige Rekordbeute von 48.571 Euro. Kunden und Angestellte werden dabei, wie beim Überfall auf die Post in Zwickau ein Jahr zuvor, mit Reizgas besprüht. Nach dem Überfall flüchten BM auf Trekkingrädern.

Doch dem Kassierer in Zwickau fällt etwas auf, was in den Jahren zuvor in den Fahndungen noch keine Rolle gespielt hat. Er beschreibt den vorderen Täter (= B) als größer als den hinteren (= M). Außerdem war ihm aufgefallen, dass der vordere Täter Linkshänder ist, derjenige, der hinten den Rückzug abdeckte, Rechtshänder. Dies ist das erste Muster, mit dem die Polizei arbeiten kann: zwei junge Männer sind es, einer größer als der andere, der größere ist Linkshänder, beide flüchten auf Trekking-Rädern.

Wieder zurück in der Polenzstraße arbeitet M in den folgenden Monaten am "Merchendising" des "NSU", entwirft das Design für Aufdrucke auf "T-Hemden". Ettliche Ordner mit Bilddateien von Ende 2002 und Anfang 2003 konnten auf der Festplatte rekonstruiert werden. Einmal ist sogar der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder hinter Gitterstäben zu sehen, auf seiner Brust prangt ein Judenstern, darunter der Spruch: "Niemand entgeht seiner Gerechtigkeit". Auch davon bekommen die Nachbarn nichts mit.

Zwar rutscht Liese beim Gespräch mit Nachbarn gelegentlich einmal das Wort "Türkenpack" heraus, aber sie hat nichts gegen die afghanische Familie, die zwei Stockwerke über der "NSU"-Wohnung lebt. Die seien verfolgt worden und in Deutschland auf "Hilfe angewiesen", wie Liese einer Nachbarun zustimmt, die ihr die Geschichte der Familie erzählt.

Lise sei eine "Herzengute" gewesen, sagte später ein anderer Nachbar vor der Polizei aus. Mit der geistig behinderten Tochter einer weiteren Nachbarin an der Hand geht Z sogar öfter zum Aldi-Discounter, der nur wenige Meter vom Haus in der Polenzstraße entfernt ist und jedes Mal "durfte sich die Kleine was aussuchen", gab er zu Protokoll.

Auch der ungewöhnlich hohe Finderlohn von 500 Euro, den Z aussetzte, als ihre Katze Lilly entlaufen war, verwundert die Nachbarn nicht. "Die beiden Katzen waren eben Lieses Ein-und-Alles", erzählte eine Nachbarin den Ermittlern des BKA und eine andere sagte aus: "Die Katzen waren ihre Babys. Als die eine weggelaufen war, so fertig habe ich die Liese vorher und nachher nicht erlebt." Doch Lilly wurde wiedergefunden und Z war überglücklich; tagelang gab es im Hof hinter dem Haus kein anderes Thema.

Wenn B und M mal wieder unterwegs sind, berichtet Liese auch schon mal von den beiden Männern. "Wie Männer halt so sind", sagte eine Nachbarin aus: "Nichts schlimmes, nur so zum Beispiel, wie Liese eben manchmal das Klo vorfand." Oder es geht darum, dass "ihr Mann" (B) im PC-Raum geschlafen habe und nicht bei ihr. Auch "der Andere" könnte mehr im Haushalt tun. Frauenthemen, von denen BM wohl nichts ahnten.

Auch, dass die beiden Männer keinen Tropfen Alkohol anrühren würden, "aus Prinzip", erzählt Liese ihren Nachbarinnen. Sind "Max" und "Gerry" dann mal nicht im Haus, gab es von Liese aber schon mal "das eine oder andere Gläsel Wein". Manchmal seien es auch zwei, gelegentlich drei Flaschen gewesen, eher selten auch Schnäpse, nehmen die Beamten zu Protokoll. "Die Männer waren ja auch manchmal eine ganze Woche weg", Und Z brauchte dabei offensichtlich etwas zur Beruhigung.

Am 15.09.2003 endet der Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Gera vom Januar 1998 gegen BMZ. Über einen Anwalt, der von Z beauftragt wurde, gibt es bei der Staatsanwaltschaft die Nachfrage, ob dies "so sei". Dem Anwalt wird versichert, dass alle drei Haftbefehle tatsächlich erloschen sind; von weiteren Taten des Trios wissen die Behören nichts.Mit dem Gefühl, dass bei ihren bisherigen Überfällen noch niemals etwas schiefgelaufen ist, überfallen B und M nur eine Woche nach Ablauf der Haftbefehle eine weitere Sparkasse, diesmal erneut in Chemnitz. Nach dem Ende des Bankraubs am 23.09.2003 sind BMZ fassungslos über das klägliche Ergebnis des lange vorbereitten Coups. Der Tresor blieb verschloissen, zeitschlossgesichert waren in der Kasse nur wenige Hundert Euro gewesen, von denen B und M  435 Euro als Beute mitnehmen können.

Über weitere Aktivitäten des "NSU" zwischen dem Oktober 2003 und dem späten Frühjahr 2004 hat die Bundesanwaltschaft nur lückenhafte Erkenntnisse. Überhaupt sind die Zeitlücken für die Anklagebehörde im Verfahren ein großes Problem, obwohl man akribisch daran gearbeitet hatte, diese zu schließen. Auf Seiten des BKA geht man davon aus, dass BMZ in der eben genannten Zeit durch Deutschland gereist sind, möglicherweise auch in die Schweiz, wahrscheinlich wieder mit Vans oder in Wohnmobilen und beflügelt durch die Sicherheit, dass man sie wegen der Sache mit der Bombenwerkstatt in Jena nun nicht mehr sucht, eine Festnahme aus diesem Grund ausgeschlossen ist. Zudem haben B und M "saubere" Reisepässe und können sich damit sogar bei Grenzkontrollen auszuweisen.

Derart beflügelt fahren BM im Februar 2004 erneut an die Ostsee, begehen dort - nach einer Pause von rund 2 1/2 Jahren - ihren fünften, politisch motivierten, Mord. Ist es wirklich nur Zufall, an welchen Tagen die "NSU" mordet? Oder sucht M diese Tage gezielt aus?

Schaut man in den Lebenslauf Adolf Hitlers, dann findet man in ihm das Datum "25.02.1932". An diesem Tag erhielt Hilter, zuvor Österreichischer Nationalität, die deutsche Staatsbürgerschaft. Und der 25.02. ist genau der Tag, an dem BM ihren fünften Mord verüben. Und sie verüben ihn in der Stadt, in welcher es im August 1992 zu fremdenfeindlich motivierten Ausschreitungen von Neo-Nazis kam. In Rostock-Toitenwinkel erschießen sie an diesem Mittwoch kurz nach 10 Uhr vormittags Mehmet Turgut, der im "Mr. Kebap Grill" arbeitet, mit drei gezielten Kopfschüssen.

Die Stadt und den dortigen Döner-Imbiss haben BM gezielt ausgesucht, ihr Opfer nicht, denn Turgut ist nur zufällig an diesem Vormittag anwesend. Bis zum 15.02.2004 hatte der Ermordete in Hamburg gelebt. Deshalb schließen die Ermittler auch hier Fremdenfeindlichkeit als Motiv aus, ermitteln dafür intensiv in Hamburg, wo BM bereits 2001 Süleyman Taşköprü erschossen hatten. (Anmerkung: Bis zum Dezember 2011 wurde der Name des in Rostock Ermordeten im Übrigen auf Grund einer Verwechslung mit seinem Bruders als "Yunus" Turgut veröffentlicht!)

Den Nachbarinnen in der Polenzstraße erzählt Z im späten Frühjahr 2004 vom nächsten Sommerurlaub an der Ostsee, den die drei geplant haben. Zuvor haben BM die Hauhaltskasse des "NSU" um etwas mehr als 100.000 Euro aufgestockt, dies bei zwei Sparkassen-Überfällen in Chemnitz innerhalb von vier Tagen, bei denen alles glatt geht, da sie kaltblütig und unter massiver Bedrohung von Menschen darauf bestehen, dass die Tresore geöffnet werden. Am Freitag, den 14.05.2004 erbeuten sie so etwa 50.000 Euro plus Reisescheks und am Dienstag, den 18.05.2004 mehr als 50.000 Euro.

Damit haben B und M innerhalb von fünf Jahren acht Raubüberfälle auf Postfillialen und Sparkassen, dazu noch einen auf einen Supermarkt, verübt. Alle Überfälle gab es allein in Chemnitz und/oder Zwickau. Ein Ermittler spach nach der Enttarnung des "NSU" in diesem Zusammenhang von einer "Serie, einer Überfalldichte", die so hoch gewesen sei, wie in kaum eine anderen deutschen Region. Was auffällig war: stets waren es zwei Täter, die den Zeugen auffielen, immer war einer der beiden größer als der andere und oft flüchteten die Tätert auf Mountainbikes.

Und so brutal, wie B auf dem Originalfoto des Chemnitzer Überfalls auf die Sparkasse in der Albert-Schweitzer-Straße vom 14.05.2004 den Revolver an den Kopf des Kassierers hält, müssen auch die Tötungsdelikte des "NSU" ausgeführt worden sein: durch aufgesetzte Kopfschüsse. Doch niemand ahnt die Zusammenhänge. Hier und jetzt wird nur in Sacher der brutalen Überfälle auf Geldinstitute ermittelt und sofort erkennt man bei der Polizeiinspektion West-Sachsen die Täter aus dem Raster wieder: einer ist größer als der andere und dieser Täter ist Linkshänder.

Kurz bevor BMZ mit nun wieder prall gefüllter Urlaubskasse Zwickau verlassen und nahe Lübeck an die Ostsee fahren, machen B und M noch eine lange vorbereitete Reise nach Westdeutschland. Hierfür hat B als "Holger Gerlach" mit dessen Papieren in Zwickau einen VW Touran angemietet. BM verstauen ihre beiden Mountainbikes im Laderaum und zusätzlich noch ein bei Aldi von Z preiswert erstandenes Damenfahrrad. Es ist noch nicht ganz klar, ob Z dieser Kauf in der Anklage zur Last gelegt werden kann und wird, jedoch stellt die Anmietung des VW Touran in Zwickau mit einen Grund dafür dar, dass HG vom BGH aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, denn dieser war nachweislich zum Zeitpunkt der KFZ-Anmietung an seiner Arbeitsstelle in Hannover und nicht in Sachsen gewesen.

Wann BM in Köln die Keupstraße observiert hatten, ob sie ihnen und ggf. von wem empfohlen wurde, weil dort ausgesprochen viel ausländische Geschäfte sind, das hat die Bundesanwaltschaft bis heute nicht feststellen können. Die Nagelbombe jedoch, die B und M im Keller oder auf dem Dachboden der Polenzstraße in Zwickau für ihren Anschlang in Köln gebaut haben, ist ein wahres "Monster", selbst für die beiden "Bombenbastler" M und B.

Das "Monster" hat einen 3-kg-Campinggasbehälter als Hülle, der mit fast 6 Kilogramm Schwarzpulver und Tausenden Tischlernägeln gefüllt ist, sowie eine glaslose Glühbirne mit einer Batterie als Sprengvorrichtung. Gezündet werden kann die Nagelbombe mit einer Fernbedienung für Modell-Flugzeuge. Nicht vorstellbar ist für die Ermittler gewesen, dass BM eine solche Bombe bauen, ohne die Funktionsweise zuvor auszuprobieren; für den Nachweis, dass beide zuvor (möglicherweise in einem Waldstück) einen Test durchgeführt hatten, fehlten allerdings bis Mitte Juli 2012 genauere Erkenntnisse.

Es ist Mittwoch der 09.06.2004, als in Köln-Mülheim eine Straßenkamera des in der Nähe befindlichen TV-Senders VIVA  filmt, wie B ein Fahrrad in Richtung der Keupstraße schiebt, auf dessen Gepäckträger sich eine Hartschalenbox befindet. Es ist das Fahrrad, das zuvor bei Aldi gekauft worden war.

Insgesamt fünf Mal filmt die Kamera ihn an diesem Morgen. Auf dem "NSU"-Computer ist einer dieser Clips als "gerry auf kamera.avi" zu finden; später wird er in das "Frühling"-Video des "NSU" eingebaut.

B hat (wie bei fast allen "NSU"-Aktionen) ein Basecap auf und trägt eine Sonnenbrille. In der Transportbox auf dem Gepäckträger ist die Bombe angebracht. B will das Fahrrad vor einem Geschäft abstellen, doch dort sind an diesem Tag Gerüstbauarbeiten. Die Arbeiter bitten ihn, das Fahrrad auf die andere Straßenseite zu schieben, was B auch macht. Dort stellt er es vor einem Friseurladen ab. M kommt hinzu, hat die beiden Mountainbikes in die Keupstraße geschoben. Beide steigen auf ihre Trekkingräder und fahren in sichere Entfernung, zünden dann die Bombe. Ist es erneut ein purer Zufall, wann der "NSU" ein Gewaltverbrechen gegen Ausländer begeht, eiin Zufall, dass es eine Nagelbombe ist, genauso wie den Bombenanschlägen der "Blood and Honour"-Splittergruppe "White Wolfes" vom April 1999?

An diesem 09.06.2004, dem Tag des sog. "Führerbefehls" an Generalfeldmarschall Rommel im Jahre 1942 zur standrechtlichen Erschießung aller deutschen, politischen Flüchtlinge, explodiert in der Keupstraße in Köln-Mülheim die von BM gebaute Nagelbombe durch Fernzündung. 22 Menschen werden bei der Explosion verletzt, vier davon schwer, ein Friseursalon gerät in Brand und wird vollständig verwüstet, mehrere weitere Ladenlokale und zahlreiche parkende Autos durch die Wucht der Explosion und herumfliegende Nägel erheblich beschädigt. Trotz des Datums "9. Juni" und der Umstände wie fünf Jahre zuvor in Londen, deutete für die ermittelnden Behörden wenig bis gar nichts auf einen ausländerfeindlichen Hintergriund der Tat. B und M haben ein weiteres Mal triumphiert, feiern später im Bekennervideo ihre Tat ausländerverachtend als "Aktion Dönerspieß", zeigen Menschen mit Nägeln in ihren Köpfen.

Aus heutiger Sicht spricht alles für einen Anschlag nach dem Londoner Muster, nicht zuletzt die 14 Fenster für Mordopfer auf der damals aktuellen Bekenner-Videoversion des "NSU": Die Zahl 14 ist eine Art Code der "Blood and Honour"-Bewegung und leitet sich aus der rassistischen "14 Words"-Parole des US- Amerikaners David Lane ab: "We must secure the existence of our people and a future for White children" / "Wir müssen den Fortbestand für unsere Rasse und eine Zukunft für weiße Kinder sicherstellen." Hinzu kommt der enge Kontakt zwischen BMZ und der "Blood and Honour" Bewegung. So berichtete etwa Professor Siegfried Mundlos, der Vater von B, dass sich auf dem 1998 beschlagnahmten Computer seines Sohnes "Kontaktdaten von herausragenden Personen" der rechtsradikalen Szene in Chemnitz befunden hätten. Darunter auch die von "Blood and Honour"-Aktivist Thomas St. aus Chemnitz, der das Trio an Max-Florian Bu. vermittelt hatte und von dem auch jener Sprengstoff stammen soll, der 1998 bei den Terroristen gefunden worden war.

Durch ihre Kontaklte zu AE und die "Weiße Brunderschaft Erzgebirge" waren B und M schließlich auch an den Sprengstoff für die Kölner Bombe gekommen. Auf der Festplatte im Schutt der Frühlingsstraße 26 in Zwickau fanden die Ermittler aber nicht nur private Dateien von AE sondern auch solche seines Zwillingsbruders Maik. Rekonstruiert werden konnte u. a. ein Ordner mit Fotoaufnahmen, die Maik Em*ng*r bei einer Reise nach Schweden zeigen. Er hatte dort an dem sog. "Wretström"-Trauermarsch in Salem teilgenommen.

Direkt nach dem Kölner Anschlag machen BMZ Urlaub an der Ostsee, der "NSU" legt eine zweite Arbeitspause ein, dieses Mal von exakt 365 Tagen. Und man ist nun auch spendabel HG gegenüber, lädt in dazu ein, gemeinsam Urlaub zu machen: HG stimmt zu. So können BMZ HGs Loyalität testen und ihn über sein aktuelles Leben ausfragen, denn B ist ja schließlich HG, wenn auch in einem andern Bundesland.


[Die Fortsetzung folgt in Teil 4 von "INSIDE NSU" am 6. August 2012 hier im "Lichtstadt.Netz"]

Sonntag, 29. Juli 2012

"Stasi-Mitarbeit!": Die Friedrich-Schiller-Universität Jena trennt sich von unter Verdacht stehendem Professor - ARD-Magazin "Kontraste" gab den Hinweis

(lsn / fsu) - Auch im Jahr 23 nach der Wende lässt uns die Vergangenheit, lassen uns die DDR-Zeiten und ihre Auswüchse nicht ruhen. Wie die Friedrich-Schiller-Universität /FSU nun bekannt gab, hat sie sich dieser Tage von einem unter Stasi-Verdacht stehenden Wissenschaftler getrennt. Den Fall ins Rollen gebracht hatte das ARD-Magazin "Kontraste", das die Stasi-Aktivitäten des FSU-Professors enthüllte.

Der ehemalige Mitarbeiter ist mit sofortiger Wirkung von der Verpflichtung zur Arbeit unwiderruflich freigestellt. Die Universität hatte - nachdem sie die notwendigen Unterlagen von der Stasi-Unterlagenbehörde erhalten hat - unverzüglich mit der gründlichen Prüfung des Falles begonnen. Es erwies sich, dass der Wissenschaftler mit dem Ministerium für Staatssicherheit zusammengearbeitet hat. Daher kam die Universität zu dem Fazit, dass eine weitere Beschäftigung des Wissenschaftlers nicht tragbar sei.

Die FSU habe in den letzten zwei Jahrzehnten ihre Geschichte intensiv aufgearbeitet – und dies äußerst selbstkritisch, wie die Leitung nun betonte. Die Aufarbeitung der Stasiverstrickungen sei bereits kurz nach der Wende aus eigener Kraft engagiert angegangen worden – mit klaren Konsequenzen für die entdeckten Stasi-Mitarbeiter. Diese Linie ist mit der aktuellen Entscheidung konsequent weitergeführt worden, hieß es.

Samstag, 28. Juli 2012

"Ton in Ton": Heute uind morgen lockt im der Jenaer Innenstadt der 15. Töpfermarkt!

(lsn / jenakultur) - Auf dem Historischen Marktplatz der Jenaer Innenstadt findet auch in diesem Jahr der Töpfermarkt statt; 2012 ist es bereits Ausgabe Nummer 15.

Das Handwerk hat eine Jahrhunderte alte Tradition in der Lichtstadt und passt dadurch bestens in die historische Altstadt von Jena. Die Palette der Angebote ist dabei wie immer breit gefächert. Rund 70 Töpferinnen und Töpfer zeigen dabei ein sehr vielseitiges Spektrum ihres kreativen Schaffens.

Präsentiert wird eine ausgewogene Mischung aus traditioneller Gebrauchskeramik, modernen Wohnaccessoires bis hin zu Sammlerstücken und Unikaten. Passend zum Ambiente des historischen Marktplatzes treffen hier Tradition und Moderne aufeinander. Natürlich können auch die "kleinen" Töpfer kreativ werden und Figuren und Phantasieobjekte aus Ton zaubern.

Die Öffnungszeiten des 15. Jenaer Töpfermarktes: heute ist er von 8 bis 18 Uhr geöffnet und morgen von 10 bis 18 Uhr.

Freitag, 27. Juli 2012

"Kein Pardon (1)": Saale-Holzland Landrat Heller bleibt hart und lehnt Vergleichsvorschlag im Falle Kroker ab!

(lsn / otz) - Im Wahlkampf wird mitunter mit harten Bandagen gekämpft, Verleumdung scheint gelegentlich ein probates Mittel zu sein, um beim Wähler zu punkten. Oft geschieht dies anonym (wie jüngst in Gera während der Oberbürgermeister-Wahl geschehen), manchmal ist es aber auch eine offizielle Erklärung eines Kandidaten oder einer Kandidatin, die im Nachgang üble Folgen haben kann, wenn sie sich als unwahr herausstellt. So im Saale-Holzland-Kreis geschehen.

Dort versendete eine Kandidation für den Job des Landrates im Frühjahr 2012 ein Flugblatt an 28.000 Haushalte (siehe Foto oben) und diese Aktion beschäftigt weiterhin die Gerichte. Unter der Überschrift "Säulen meiner Politik" und dem Punkt "Transparenz in der Verwaltung" erklärte die damalige Kandidatin Judith Kroker würtlich: "Wie der jüngste Umweltskandal in Bad Klosterlausnitz und der Subventionsbetrug am Camburger Rathaus beweist, deckt der amtierende Landrat sogar die Betrügereien im Kreis". Eine gewagte Äußerung, die Kroker zu beweisen hatte und nicht beweisen konnte. Die Folge: eine fristlose Kündigung, denn Judith Kroker war beim Landrat des Saale-Holzland-Kreises angestellt, war seine Untergebene.

Gegen die Kündigung klagte Judith Kroker vor dem Arbeitsgericht Jena. Der Vorsitzende Richter unterbreitete zwischenzeitlich beiden Parteien einen schriftlichen Vergleichsvorschlag. In diesem hieß es erstens: "Die fristlose und hilfsweise erklärte ordentliche Kündigung (...) ist gegenstandslos." und zweitens: "Die Klägerin gibt auf eigene Kosten eine Anzeige in einer im Kreis erscheinenden Tageszeitung unter der Überschrift 'Klarstellung und Entschuldigung' auf und erklärt, dass es in keinster Weise ihre Absicht war, den Landrat zu beleidigen bzw. einer Straftat zu bezichtigen. Der Landrat hat sich als Leiter des Landratsamtes nach Frau Krokers Kenntnis weder in Bezug auf den Umgang mit der Abfallbehandlungsfirma in Bad Klosterlausnitz, noch auf das gegenüber dem Bürgermeister der Stadt Camburg laufende Ermittlungsverfahren, die Sanierung des Rathauses betreffend, gesetzwidrig verhalten."

Diesem Vergleichsvorschlag wollte Judith Kroker nun offensichtlich zustimmen und wollte - so der Vorschlag des Richters - zusätzlich erklären: "Soweit die im Flyer äußerst unglückliche Wortwahl zu Irritationen geführt hat, möchte ich mich hierfür bei den Mitarbeitern des Landratsamtes und insbesondere beim Landrat Herrn Heller mit aller Aufrichtigkeit entschuldigen."

Eigentlich ein Sieg auf ganzer Linie für den Landrat, doch Heller lehnte den Vergleichsvorschlag nun ab. Sein Justiziar Thomas Kuske teilte mit, "dass der Vergleichsvorschlag seitens des Saale-Holzlandkreises nicht angenommen wird". Man sei nach wie vor davon überzeugt, dass das Vertrauensverhältnis als unwiderruflich zerstört angesehen wird und eine Weiterbeschäftigung unmöglich ist, erklärte Kuske gestern gegenüber der OTZ. Zudem ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft gegen Frau Kroker wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Gera erklärte.

Donnerstag, 26. Juli 2012

"Wer sich im Recht fühlt hat noch lange nicht das Recht, einen anderen Menschen zu verletzen": Jenaer Parkplatzsuche endete mit einen gebrochenen Fuß!

(lsn / polizei) - Der Streit um einen Parkplatz ist gestern in der Lichtstadt für einen 31-jährigen Mann mit einem gebrochenen Fuß zu Ende gegangen, wie die Polizeiinspektion heute mitteilte.

Der Mann hatte sich am Mittwoch in eine Parklücke gestellt, um diese freizuhalten. Ein 33-jähriger Autofahrer wollte jedoch ebenfalls genau in dieser Lücke parken und forderte den 31-Jährigen auf, den Parkplatz zu räumen. Als der Mann keinerlei Anstalten machte, die Parklücke freizugeben, fuhr der Autofahrer langsam mit seinem Pkw auf die Lücke zu.

Dabei berührte er den 31-Jährigen, so dass dieser zu Boden stürzte. Der 33-Jährige konnte sein Kfz daraufhin nicht mehr rechtzeitig stoppen und überrollte den Fuß des auf dem Boden liegenden Mannes.

Nach ersten Erkenntnissen des herbeigerufenen Notarztes zog sich der 31-Jährige bei dem Unfall eine Fraktur des Fußes zu. Der 33-Jährige hat nun als Konsequenz aus seinem unverantwortlichen Verhalten eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung und Nötigung erhalten.

Mehrwöchige Vollsperrung in der "Grietgasse" und der "Knebelstraße": Verkehrs-Nadelöhr in der Innenstadt von heute ab bis zum 31. August 2012 nicht befahrbar!

(lsn / rana) - Jetzt kommt es für die Autofahrer in der Innenstadt gleich im Doppelpack: In der Zeit vom 26. Juli bis zum 31. Juli 2012 wird die "Grietgasse" im Bereich des Bahnüberganges der Straßenbahn für den Fahrzeugverkehr gesperrt. In der Sperrzeit sollen die Gleisanlagen der Straßenbahn ausgewechselt werden. Der Straßenverkehr zwischen der östlichen "Grietgasse" und der Straße "Am Volksbad" ist nicht beeinträchtigt.

Danach folgt die einmonatige Vollsperrung der "Knebelstraße". Vom 1. August bis einschließlich dem 31. August 2012 wird das Nadelöhr am Paradiesbahnhof zwischen der Straße "Am Volksbad" und der "Neugasse" für den Durchgangsverkehr gesperrt sein (siehe Foto vom Gleißdreieck). In der Sperrzeit sollen die Straßenbahngleise des Gleisdreiecks erneuert werden. Dazu sind umfangreiche Tiefbauarbeiten erforderlich. Die Zu -und Abfahrt zum Busbahnhof ist in der Sperrzeit nicht beeinträchtigt.

Die Verkehrsumleitung erfolgt während dieser Zeit in beiden Richtungen über die Straße "Am Volksbad", "Grietgasse", "Engelplatz", "Ernst-Haeckel-Platz", "Ernst-Haeckel-Straße" zur "Kahlaischen Straße". Im Bereich "Ernst-Haeckel-Platz" ist mit erblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen, da dort zeitgleich noch die Straßenbaumaßnahme "Westbahnhofstraße" läuft. Dieser Bereich sollte nach Möglichkeit in den nächsten Wochen weiträumig umfahren werden.

"Heißester Tag des Jahres / Heißester Ort der Republik": Jena knackte gestern den Hitzerekord vom Juni 2012!

(lsn) - Die ganze Republik stöhnte gestern über die Hitze, denn sie Sonne bescherte den Deutschen den bislang heißesten Tag des Jahres. In den südlichen Metropolen wie München oder Baden-Baden, in Städte wie Wolfach und Waldshut verzeichneten die Meteorologen über 33 Grad Celsius. Den deutschen Hitzerekord knackte gestern jedoch eine Stadt in Thüringen, die uns allen wohlvertraut ist.

Auch in der Bundeshauptstadt kletterte das Thermometer an diesem 25. Juli 2012 einen Moment lang über die 34 Grad Celsius Marke, zeigte als Spitzenwert 34,2 Grad an. In der Lichtstadt Jena jedoch erreichte die Hitzemarke gestern satte 34,9 Grad Celsius, was der Wettermoderator der ARD "tagestehemen" dann stolz aufrundete. "Jena" prangte dick und fett auf der Wetterkarte des gestigen Mittwochs und daneben stand in großen Lettern eine "35".

Für den heutigen Tag und den morgigen Freitag prognostizieren die Meteorologen erneut heiße Temperaturen, am Wochenende sollte eine Kaltfront für Abkühlung sorgen.

Nachtrag vom 16 Uhr 30: Der diesjährige Hitzerekord ist gestern tatsächlich geknackt worden: Nach offiziellen Messungen kletterte die Quecksilbersäule am Mittwoch in Bernburg (Sachsen-Anhalt) sogar auf die Temperatur von 35,2 Grad Celsius, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte (und damit 0,3 Grad höher als in Jena). Ende Juni war am Oberrhein mit 34,8 Grad der bisherige Höchstwert des Jahres verzeichnet worden.

"Stadtspeicher-Verein" muss schweren Schritt gehen: Die Galerie im Stadtspeicher ist finanziell am Ende!

(lsn) - Obwohl er mit ruhigen Worten sprach, merkte man Dr. Matthias Mann doch an, dass ihm das, was er gestern zu sagen hatte, schwer fiel. "Ende August muss der Betrieb der Galerie Stadtspeicher eingestellt werden", verkündete der ehemalige Jenaer Dezernent.

Seit Herbst 2008 ist der Verein Stadtspeicher e.V. im denkmalgerecht sanierten Gebäude am Markt 16 ansässig. Für die Lichtstadt und ihre Insitutionen wie der Stadtverwaltung, der FSU, der Ernst-Abbe-Fachhochschule, der Jenoptik, der WG Carl Zeiss, Jenawohnen oder der Sparkasse Jena-Saale-Holzland war der Stadtspeicher stets eine erste Adresse für eigene Ausstellungen, Präsentationen und Veranstaltungen.

Der Verein war Glücksfall und Notnagel zugleich, denn er konnte schnelle räumliche Lösungen anbieten, wenn man in der Stadt das Bedürfnis hatte, eine Ausstellung anzubieten. Mann nannte gestren exemplarisch die Ausstellung der Modelle für den Eichplatz.

Die Probleme der Finanzierung sind der Stadt Jena nicht neu, Mann nennt sie "nicht unabwendbar". Seit Mitte 2010 hätte man sich Gedanken gemacht über andere Nutzer und Nutzungen. Jedoch: ab 2013 soll der jährliche Zuschuss der Stadt (n den Jahren 2009 und 2010 immerhin etwa 60.000 Euro jährlich) zur Gänze eingestellt werden; 2012 wurden von Januar bis Ende April noch einmal 20.000 Euro Zuschuss gewährt.

Mann betonte, dass durch Zuwenduingen der Carl Zeiss AG sowie einer Senkung des Mietpreises durch den Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena, der Weiterbetrieb der "Galerie im Sadtspeicher" bis heute bei gleich gebliebenen Öffnungszeiten gesichert werden konnte. indes: "Der Schritt zur Anschlussfinanzierung ist uns nicht gelungen", bedauert Dr. Matthias Mann.

Kopfschütteln im Verein löse aber die offensichtliche Tatsache aus, dass "die Stadt keinen richtigen Plan" habe. Zum Beispiel habe der Kulturausschuss der Stadt Jena die weitere Finanzierung des Vereins bis zum Jahresende empfohlen, der Finanzausschuss lehnte diesen Antrag jedoch ab.

Problematisch nannte Mann es, dass ein Großteil der in den vergangenen Jahren gewährten 60.000 Euro vom Verein nicht für Kulturaufgaben verwendet werden konnten sondern statt dessen für Mieten, Nebenkosten und Personalaufwendungen ausgegeben werden mussten. Dennoch: "Wir werden für unsere Arbeit von der Stadt gelobt", berichtet Katy Kasten-Wutzler.

Wie könnte nun eine Lösung aussehen? "Es gibt niemanden, der drängt", antwortete Dr. Mann auf die Frage nach einer möglichen Nachnutzung. Die Untere Denkmalschutzbehörde sei mit ihm im Gespräch, der Jenaer Kunstverein ebenso. Der Wunsch des Vereins ist es, dass das mittelalterliche Gebäude am historischn Markt, das mit seiner modernen Fassade glänzt, weiterhin öffentlich zugänglich sein soll. "Der Stadtspeicher ist ein Ort der Kommunikation mit der Bürgerschaft", so kommentierte es Kasten-Wutzler.

Aber damit ist es nun wahrscheinlich aus: Zwei geplante Ausstellungen seien von der Schließung im August betroffen. Ob, wann und wo beide der Öffentlichkeit präsentiert werden können, ist damit völlig offen.

Mittwoch, 25. Juli 2012

"This Ain't California": Von ZONO RADIO JENA unterstütztes Filmprojekt ist ab 16. August 2012 im Kino zu sehen!

(lsn) - Lange hat es gedauert, aber nun ist es endlich soweit: Das deutsche Filmprojekt "This ain't California" des Regisseurs Marten Persiel kommt am 16. August 2012 in die deutschen Kinos. Der Film wurde zuvor bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2012 in der Kategorie "Perspektive Deutsches Kino" uraufgeführt. Ein Teil des Filmes, u.a. die Nullkopie, wurde mit Crowdfunding u. a. von ZONO Radio Jena finanziert.

"Wir drehen einen Film!" konnte man seit Mitte letzten Jahres auf dieser Webseite lesen und das betraf genau diesen Film über eine Skateboard-Subkultur in der ehemaligen DDR. "Wir waren nicht die Axt im Walde, wir waren ein ganzes Sägewerk", so heißt es auf dem Filmplakat und das umschreibt ganz gut die Entwicklung dreier Jugendlicher, die in der DDR das Rollbrett-Fahren schon mit jungen Jahren für sich entdecken, immer weiter professionalisieren und schließlich ein Teil der internationalen Szene werden, bis sie sich nach 1989 aus den Augen verlieren.

"Tis ain't California" überrascht mit Einblicken in etwas, was viele ehemalige DDR-Bürger aber auch Westdeutsche nicht kannten: Skateboarding in der DDR. Die Bilder bestehen aus Archivmaterial (Super-8 und Fernsehsendungen), nachgestellten Filmsequenzen, Interviews und wenigen Animationen, so dass kein reiner Kompilationsfilm entstanden ist.

Mit seiner teils inszenierten Handlung ähnlich eines Entwicklungsromans bewegt sich der Film an der Grenze zum Dokumentartfilm. Der Name des Protagonisten Denis ist aus Rücksicht auf seine Angehörigen geändert.

Der Film wurde inzwischen bereits mit internationalen Auszeichnungen überhäuft und in der ZEIT war z. B. im Februar 2012 über den Film zu lesen: "Dass der Film dabei manche Längen und Dopplungen hat, (…) - geschenkt. Dass der Film den Zuschauer darüber im Unklaren lässt, was Dokumentar- und was Spielfilm ist (…), ist für einen Film, der ein Dokumentarfilm sein soll, zumindest problematisch. Herausgekommen ist aber auch so ein äußerst humorvoller und berührender Film. Weil er die DDR eher nebenher zum Thema macht und weil der Film den ostdeutschen Sozialismus nicht mit erhobenem Zeigefinger verdammt, sondern ihm stattdessen ausreichend Platz gibt, sich in seiner bürokratischen Absurdität und spaßbefreiten Verkrampftheit lächerlich zu machen."

Auf jeden Fall können wir heute sagen: "Lichtstadt.Netz" ist stolz auf diesen Film, an dem wir in gewisser Hinsicht mitwirken durften...oder, wie ein altes russisches Sprichwort besagt:
"Erzählen Sie nichts von der Geburt. Zeigen Sie lieber Ihr Baby!"

"Witzigkeit kennt kein PARDON": Deutschlands führende Satirezeitschift soll Ende 2012 wieder erscheinen - Früherer "Welt"-Chefredaktuer Wolfram Weimer tritt Bernd Zellers Erbe an!

(lsn) - Wolfram Weimer, "Cicero"-Gründungsherausgeber, Ex-Chefredakteur der Tageszeitung "Die Welt" und zuletzt Chef des "Focus" wird zum Jahresende 2012 Bernd Zellers Erbe antreten und das Satiremagazin "Pardon" neu herausgeben.

Zeller hatte mit der Satire-Legende, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiern würde, 2004 den Neustart versucht, scheiterte jedoch nach nur drei Jahren. Die Liste der Autoren früherer "Pardon"-Ausgaben klingt durchaus erstaunlich: sowohl Günter Grass als auch Martin Walser oder Hans Magnus Enzensberger haben einst mitgewirkt, Erich Kästner war ebenso dabei wie Loriot. Mehr als 300.000 Exemplare verkaufte "Pardon" zu Spitzenzeiten. 1982 erschien das zwei Jahrzehnte zuvor in Frankfurt am Main gegründete Magazin zunächst das letzte Mal.

Wolfram Weimer, der den Neustart selbst finanziert, will vorsichtiger sein als der Jenaer Zeller und alles besser machen: Zunächst soll "Deutschlands führende Satirezeitschrift" nur ein einziges Mal in Form einer Jubiläumsausgabe erscheinen. Die Erlaubnis habe er sich, so erzählte Weimer es dem Magazin DER SPIEGEL, persönlich bei Hans A. Nikel, dem Gründer von "Pardon", abgeholt. Es gäbe, so Weimer weiter, bereits Zusagen von Autoren wie Eckart von Hirschhausen, Hellmuth Karasek oder Harald Schmidt. Wenn die erste Ausgabe ein Erfolg werde, so sollen dem Heft weitere folgen. 70.000 "Pardon"-Exemplare sollen zunächst an den Start gehen. Weimer selbst sagt, Verkäufe ab 20.000 Exemplaren seien "ganz okay", er hoffe aber auf mehr.

Bernd Zeller weiß, dass Autoren für ihre Beiträge Geld verlangen und soll weise genickt haben, als er von der Autorenliste und den ambitionierten Auflageplänen des neuen Herausgebers gehört hat. Denn Zeller weiß: aus einem "Herausgeber" kann schnel ein "Herr Ausgeber" werden, den sein Projekt in den Ruin treiben kann. Dies hatte Benrd Zeller für seine Person seinerzeit noch rechtzeitig verhindern können.

Erscheinen soll die erste Neu-Ausgabe von "Pardon" Ende diesen Jahres, zwischen "dem 11.11. und Nikolaus", wie Wolfram Weimer im SPIEGEL betonte

"TiPs" präsentiert den Auftakt zur "Kulturarena 2012" in HD: Die Videofassung von "FRANKENSTEIN oder: Der moderne Prometheus" ist fertig und alle Jenaer können sie kostenlos anschauen!

(lsn / TiPs) - Darauf haben alle Jenaer sehnsüchtig gewartet: "TiPs", das von dem lokalen Verleger Detlef Sommer gestaltete kostenlose Magazin für Jena und des Saale-Holzland-Kreis, hat über YouTube das HD-Video des vom Theaterhaus Jena inszenierten Theaterspektakels zur "Kulturarena 2012" veröffentlicht.

Seit heute kann man in einer "TiPs-TV Produktion" zwei Stunden und zehn Minuten Länge sowie bester Bild- und Tonqualität "FRANKENSTEIN oder: Der moderne Prometheus" nach Mary Shelley noch einmal erleben oder - sofern man keine der Vorstellungen besuchen konnte - es erstmals und quasi "Live erleben". Dies kostenlos und ohne Werbung!

Detlef Sommer hat - von vielen Jenaern kaum bemerkt und von ihm selbst finanziert - in den letzten Jahren mit seinem "Lichtstadt TV" (wie wir es nennen) eine hervorragende Plattform der Information aufgebaut, die wir hiermit einmal ausdrücklich würdigen möchten.

Infos dazu gibt es HIER und DORT oder DA! - Das "FRANKENSTEIN"-Video kann man durch anklicken des TV Symbols (unten) abrufen; die Bildqualität (= normal oder HD) kann man danach frei wählen.

"Wahl des Landrats im Saale-Holzland-Kreis rechtens": Stephan Kroker mit Wahlanfechtung gescheitert!

(lsn) - Die diesjährige Wahl des Landrats im Saale-Holzland-Kreis ist ordnungsgemäß durchgeführt worden und rechtens. Stephan Kroker ist daher mit seiner Wahlanfechtung ins Leere gelaufen. Zu diesem Ergebnis kam das Landesverwaltungsamt in Weimar. "Die Anfechtung der Feststellung des Ergebnisses der Wahl des Landrates des Saale-Holzland-Kreises am 22. April 2012 wird zurückgewiesen", teilte die Behörde Kroker in einem Bescheid vom 17. Juli 2011 mit.

Kreiswahlleiter Dietmar Möller sagte hierzu gegenüber der OTZ, der Bescheid sei ein Zeugnis, dass die Landratswahlen fehlerfrei über die Bühne gegangen seien. Stephan Kroker, der seine Wahlanfechtung Anfang Mai beim Thüringer Landratsamt in Weimar eingereicht hatte, wurde vom TLVwA in sämtlichen Anfechtungspunkten eine Abfuhr erteilt.

So hatte der Vater der zuvor gescheiterten Landratskandidatin Judith Kroker (Foto links), beanstandet, dass die öffentliche Bekanntmachung des Wahlleiters zur Einreichung von Wahlvorschlägen im Amtsblatt nicht fristgemäß erfolgt sei.

Dies sei falsch, urteilte die Behörde, da die öffentliche Bekanntmachung innerhalb der gesetzlichen Frist bereits in der Tagespresse, später dann auch im Amtsblatt veröffentlicht worden sei. Diese Verfahrensweise sei üblich und habe auf das (Zitat) "geregelte Wahlverfahren keinerlei rechtliche Bedeutung".

Als unbegründet wurde auch Krokers Vorwurf, die vom Wahlausschuss als gültig zugelassenen Wahlvorschläge seien erst am 4. April 2012 im Amtsblatt öffentlich bekannt gemacht worden, zurückgewiesen. Das Landesverwaltungsamt: "Auch hierbei hat man wegen der Einhaltung der gesetzlichen Fristen die öffentliche Bekanntmachung vorab über die Tagespresse vollzogen. Die Veröffentlichung im Amtsblatt stellt somit eine 'zusätzliche Information' dar".

Gänzlich falsch muss Stephan Kroker bei seinem Vorwurf gelegen haben, dass es keine amtliche Bekanntmachung über die Auslegung der Liste von Unterstützungsunterschriften gegeben habe. Das sei, so das TLVwA, unrichtig, denn in den öffentlichen Bekanntmachungen in der Presse zur Wahl des Landrates sei "unter Ziffer 3.3 angegeben worden, wo und wie die Unterstützerunterschriften zu leisten sind". - Das hatte der Graitschener im Eifer des Gefechts wohl schlicht überlesen.

Schließlich ging es bei der Prüfung der Wahlanfechtung auch ans Eingemachte, sprich: Judith Kroker, die als parteilose Einzelbewerberin zur Wahl angetreten war. Hier rügte Stephan Kroker, dass ein Zeitungsartikel über seine Tochter zu einer Wahlbeeinflussung beigetragen habe. Vielmehr bringe der Artikel, so die Weimarer Behüter des freien Wahlrechts, zum Ausdruck, dass das Kreiswahlbüro nach dem Gesetz verpflichtet sei, für den Wahlvorschlag von Einzelbewerbern Unterstützungslisten auszulegen.

"2020 ist Jena schuldenfrei": Schuldenstand der Stadt weiter im Sinkflug - Jetzt weniger als 62 Millionen Euro!

(lsn) - Die Lichtstadt ist in vielerlei Hinsicht Leuchtturm, worüber gelegentlich auch Streit entsteht. In einem Punkt ist dies aber unzweifelhaft so: Jenas Schuldenstand fällt weiter dramatisch und in nur acht Jahren soll die Lichtstadt sogar gänzlich schuldenfrei sein.

So war es das Ansinnen der Stadtoberen, als diese vor drei Jahren das "Jenaer Entschuldungskonzept 2024" auf den Weg brachten. Hierin hieß es: "Die Stadt Jena entschuldet sich bis zum 31.12.2024 vollständig." Grundlage für diese Zukunftsplanung war eine Kooperation mit den Technischen Werken Jenas. Weiter hieß es im seinerzeitigen Stadtratsbeschluss: "Der thesaurierte Gewinn (Anm.: der Technischen Werrke) des Jahres 2008 in Höhe von 3.607.075,64 € wird am 31.12.2009 aus der Anderen Gewinnrücklage entnommen und zur Entschuldung der Stadt ausgeschüttet. (...) Aus dem erwarteten Jahresüberschuss des Jahres 2009 wird vorbehaltlich des tatsächlichen Jahresergebnisses zum 31.12.2009 in Höhe von 1,5 Mio. € vorab an die Stadt zur Entschuldung ausgeschüttet."

Wie der oben zu sehenden aktuellen Grafik zu entnehmen ist, brachte diese Entscheidung dem Schuldenberg der Stadt Jena im Jahre 2009 einen wertvollen "knick" nach unten ein und führt in der Prognose dazu, dass im Laufe des Jahres 2020 tatsächlich die komplette Entschuldung der Stadt Jena erreicht werden wird.

Und auch für sog. "schwere Zeiten", die auf die Lichtstadt zukünftig zukommen könnten (und angesichts der €-Krise und einer Verdunklung am Wirtschaftshimmel gar nicht so fern sind) hat man in Jena Vorsorge geschaffen und sich das Zeitfenster von vorn herein bis 2024 offen gelassen.

Wenn man heute die "Schuldenuhr der Stadt Jena" abfragt, dann sinkt dort die Gesamtverschuldung der Stadt minütlich um etwa 16 Euro und liegt mit derzeit weniger als 62 Millionen Euro genau im Plan (siehe Bild vom 25.07.2012).

Dienstag, 24. Juli 2012

Die Lichtstadt bekommt ein "Zukunfts-Labor": Matschie: "Jenaer Zentrum für Energie- und Umwelttechnologie kann Leuchtturm der Energieforschung werden"

(lsn / thüeringen.de) - Die Thüringer Landesregierung hat gestern den Weg für das Zentrum zur Entwicklung von Materialien für Energie- und Umwelttechnik in der Lichtstadt freigemacht. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurde das Finanzkonzept für das 14,4 Millionen Euro teure "Center for Energy and Environmental Chemistry" / CEEC am Dienstag im Kabinett bestätigt. 

In dem neuen Zentrum sollen bis zu 20 Arbeitsgruppen an neuen Stoffen forschen; im CEEC wird die Entwicklung von Materialien der nächsten und übernächsten Generation für die Energiespeicherung, Energieerzeugung und für Umwelttechnologien vorangetrieben werden. So sollen etwa Batterien mit giftigen und knappen Materialien ersetzt und durch Brennstoffzellen mit neuartigen, hocheffizienten Membranen und stationäre Energiespeichern ersetzt werden. Finanziert wird das Projekt zu großen Teilen aus Mitteln von Stiftungen. Die Ernst-Abbe-Stiftung gibt aus Zustiftungen des Landes bis zu zehn Millionen Euro und die Carl-Zeiss-Stiftung vier Millionen. Das Land finanziere direkt die Erstausstattung von rund 400.000 Euro und stelle das Grundstück zur Verfügung.

"Die Energiewende ist die zentrale Herausforderung der kommenden Jahre. Um diese Aufgabe zu bewältigen, brauchen wir neue Forschungskapazitäten. Mit dem grünen Licht für den Neubau des Zentrums für Energie- und Umweltchemie in Jena ist der Weg frei für einen neuen Leuchtturm der Energieforschung", mit diesen Worten begrüßt Thüringens Wissenschaftsminister, Christoph Matschie (Foto oben), die Zustimmung des Kabinetts zu den von ihm vorgelegten Eckpunkten zur Baufinanzierung. Das neue CEEC wird gemeinsam von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Fraunhofer Institut für Keramische Technologien und Systeme Hermsdorf/Dresden betrieben.

"Die Zusammenarbeit von FSU und Fraunhofer-Institut garantiert die enge Verknüpfung von Grundlagen- und angewandter Forschung", betonte der Minister. Das neue Chemie-Kompentenzzentrum in Jena ist zentraler Bestandteil der im Juni 2011 vorgestellten Forschungsinitiative "E hoch 4" des Thüringer Wissenschaftsministeriums. In einem ersten Schritt wurden im November 2011 zwei Forschergruppen und eine von der Carl-Zeiss-Stiftung finanzierte Juniorprofessur eingerichtet.

"Große Ehre!". Heidrun Jänchen aus Jena wurde mit dem Deutschen Science Fiction Preis 2012 ausgezeichnet

(lsn) - Die Jenaerin Heidrun Jänchen wurde mit den Deutschen Science Fiction Preis 2012 ausgezeichnet. Der mit 1.000 Euro dotierte Preis wurde ihr am vergangenen Samstag, den 21. Juli 2012, auf dem Jahrestreffen des Science Fiction Clubs Deutschland in Kiel überreicht.

Ausgezeichnet wurde Jänchen in der Kategorie "Beste deutschsprachige Kurzgeschichte" für ihre Erzählung "In der Freihandelszone", die im vergangenen Jahr in der Kurzgeschichtensammlung "Emotio" im Wurdack Verlag erschienen ist und von Heidrun Jänchen selbst zusammen mit Armin Rößler herausgegeben wurde. Sie steht damit in einer Reihe mit so großen Namen wie Herbert W. Franke ("Einsteins Erben"), Wolfgang Jeschke ("Der Zeiter), Gerd Prokop ("Timothy Truckle oder: Wer stiehlt schon Unterschenkel?"), Andreas Eschbach ("Das Jesus Video") oder Carl Amery ("Der Untergang der Stadt Passau").

Auch am zweiten Preisträger, dem besten deutschsprachigen Science-Fiction-Roman des Jahres 2011, "Galdäa - Der ungeschlagene Krieg" von Karsten Kruschel, war Heidrun Jänchen maßgeblich beteiligt, denn sie hatte dieses Buch lektoriert.

Heidrun Jänchen ist im sächsischen Burgstädt geboren, aufgewachsen in Mohsdorf und lebt seit langem in der Lichtstadt. Die promovierte Physikerin arbeitet als Optikentwicklerin und hat bis heute drei Romane und eine Vielzahl von Kurzgeschichten veröffentlicht. Doch auch als Drehbuchautorin ist Jänchen erfolgreich. Mit einem Autorenteam schrieb sie u. a. das Drehbuch zum 2003 ausgestrahlten ZDF Fernsehkrimi "Wilsberg - Letzte Ausfahrt Mord". Und als Herausgeberin ist sie seit 2006 für sieben Science-Fiction-Kurzgeschichtensammlungen verantwortlich.

Vor drei Jahren gewann sie zudem den "Kurd Laßwitz Preis" für ihre Erzählung "Ein Geschäft wie jedes andere". Aktuell ist von ihr das Buch "Willkommen auf Aurora" im Wurdack Verlag erschienen, in dem siebzehn ihrer kürzeren und längeren Geschichten enthalten sind.

Ihre jetzt mit dem renomierten Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnete Geschichte "In der Freihandelszone" spielt auf dem fernen Planeten Leiwal, greift aber sehr irdische und gegenwärtige Themen auf. In der Laudatio des Preiskomitees hieß es am vergangenen Samstag: "Heidrun Jänchen hat mit 'In der Freihandelszone' eine Kurzgeschichte vorgelegt, in der sie gleich mehrere aktuelle Problemfelder aufgreift und dem Leser deutlich, unterhaltsam und satirisch darlegt: Patentrecht, Sextourismus und die wirtschaftliche Ausbeutung der Entwicklungsländer. Kongenial verknüpft sie diese drei Bereiche in eine raffiniert entworfene Geschichte und legt auf unterhaltsam-satirische Art die zugrundeliegenden menschlichen Schwächen bloß."

Das Lichtstadt.Netz sagt: "Herzlichen Glückwunsch!"

Hörfunkmoderator Steffen Müller gestorben: RADIO JENA trauert um einen der beliebtesten und bekanntesten Moderatoren

(lsn / ZONO Radio Jena) - "Geschockt und traurig", sei er gewesen, sagte RADIO JENA Programmkoordinator Rainer Sauer, als ihn gestern die Nachricht vom plötzlichen Ableben des beliebten und bekannten OKJ-Hörfunkmoderators Steffen Müller erreicht habe. Knapp vier Monate vor seinem 50. Geburtstag war Müller am Freitag vergangener Woche plötzlich verstorben.

Mit großer Bestürzung nahm auch der Trägerverein des Offenen Hörfunkkanals Jena Kenntnis vom Tod des langjährigen Vereinsmitglieds Steffen Müller (Foto links). "Mit ihm verlieren wir einen sehr engagierten Radiomacher der ersten Stunde, der auch das Gesicht des Jenaer Radios entscheidend mitgeprägt hat", steht heute auf der Homepage von "radio okj" zu lesen.

Den Radiohörern in Jena und Ostthüringen war Müllers Stimme unter anderem von den Sendungen "RMS - Rock mit Steffen", "LPK - Lustige Plattenkiste", "Jenaer Kaleidoskop" und "Spektrum" bekannt. "Seine humorvolle, unnachahmliche und engagierte Art und Weise wird uns sehr fehlen", ließ die Vereinsführung mitteilen.

Rainer Sauer würdigte heute gegenüber der Presse vor allem Steffen Müllers unermüdlichen Einsatz für die sozial Schwachen und die Jenaer Vereine. "Steffen war bei allen Leuten, die mit ihm zu tun hatten, stets äußerst beliebt", so der Programmkoordinator. "Beim FF USV Jena durfte er mit in die Umkleide, berichtete vor kurzem erst im Radio ausgiebig über die Saisonvorbereitungen. Bei der Kulturarena machte er unzählige Interviews, wobei uns allen sein intensives Gespräch mit Patti Smith aus dem Jahre 2002 unvergessen bleibt. Aber er war nicht nur Rockfan, interviewte z. B. auch schon mal Philharmonie Generalmusikdirekteor Andrei Boreiko. So unkonventionell wie er, wird wohl so schnell kein anderer Moderator sein können", sagte Sauer, dessen Mitgefühl nun mit Steffen Müllers Kindern Anne und Tino sowie dessen Mutter Gerda und natürlich allen seinen Freunden und Hörern ist.

"Nicht nur mir und Lutz, uns beiden, wird der 'Mann mit dem Aktenkoffer', sehr fehlen", drückte Rainer Sauer heute sein Mitgefühl, auch im Namen des "Radio Speziale*"- und "Re-PopSunday"- Moderators Dr. Lutz Mühlfriedel, aus (Foto rechts: Steffen Müller mit Franz Purucker und Frank Griege beim 5. Geburstag von Radio OKJ). Auch via Twitter vermeldete Sauer: "Steffen Mueller passed away in the age of 49 - ...it's a tragedy. We lost one of our most popular radiopresenters."



Die Trauerfeier für Steffen Müller findet am kommenden Montag, den 30. Juli 2012 um 12 Uhr auf dem Jenaer Nordfriedhof statt.

Stadtentwicklungsausschuss: Erneuerung des "Burgwegs" ist beschlossene Sache - Eine erste Information über Beitragshöhen erfolgt bereits im August

(lsn / otz) - Die vorgesehene Neu-Bebauung am Hausberg mit Eigenheimen erregte die Gemüter der Anwohner am "Burgweg" in den vergangenen ganz erheblich und führte zu einigen politischen Verwerfungen im Jenaer Stadtrat.

Der Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrats / SEA hatte sich nun letzte Woche mit der Erneuerung der Haupterschließungsstraße des Hausbergs, dem "Burgweg", zu befassen und beschloss die Absicht, ihn vom "Camsdorfer Ufer" bis zur "Schlendorfer Straße" grundhaft zu erneuern (siehe Planausschnitt oben). Neben dieser Absicht wurde vom SEA auch bereits die Planungsvorlage, wie der "Burgweg" im Bereich zwischen dem "Camsdorfer Ufer" und der sog. "Planstraße B" (= sie erhält ihren Straßennamen erst später) neugestaltet werden soll, bestätigt.

Stephan Kühn vom Jenaer Ingenieur-Büro HI Bauprojekt, das das "Burgweg"-Konzept zur Planung auf dem Tisch hatte und deshalb wesentlich zur Ausbau-Planung zwischen "Camsdorfer Ufer" und "Planstraße B" beigetragen hat, unterstrich gegenüber der OTZ die Grundzüge der künftigen verkehrlichen Erschließung des Hausbergviertels, welche der SEA am letzten Donnerstag zugestimmt hat."Das hat nichts damit zu tun, dass dort ein Wohngebiet entsteht. Das ist der Anlass, nicht aber die Kausalität, dass überhaupt etwas gemacht werden muss", so Kühn zur Zeitung. Schließlich sei dort noch nie grundhaft ausgebaut worden, sagte er und fügte an, es gebe gemäß Vorschrift dort noch nicht einmal "eine echte Straße". Nun seien vielerlei Verbesserungen absehbar: dass zumindest Pkw und Lkw aneinander vorbeifahren können; dass die Fahrgeometrie in der Einmündung Hausbergstraße angepasst wird; dass das "Erdbebeninstitut" nicht mehr zugeparkt ist; dass die Fußgängerführung im Burgweg verbessert ist, erläuterte Stephan Kühn.

Der Planungsbeschluss mit vielen Details zum "Burgweg"-Ausbau bezieht sich, wie erwähnt, jedoch nur auf den Abschnitt vom "Camsdorfer Ufer" bis zur "Planstraße B" und noch nicht bis zur "Schlendorfer Straße". "Hier ist noch keine Entscheidung gefallen, ob die Straße angehoben wird oder nicht", sagte der Ingenieur in der OTZ.

Rainer Sauer, Abteilungsleiter für Beiträge beim Kommunalservice Jena / KSJ bestätigte gegenüber der OTZ ebenfalls, dass es noch offen sei, wie mit dem weiter östlichen letzten Burgweg-Abschnitt bis zur "Schlendorfer Straße" umgegangen werde. Einen Trend könne man vorab bereits erkennen, sagte Sauer: Seiner Darstellung nach müssen die Beitragspflichtigen Anwohner allerdings erst 2017 mit der Erhebung rechnen, wobei 2015 die Schlussrechnung des grundhaften Ausbaus erfolge. Zuerst werden nun die betroffenen Anwohner im August schriftlich in Kenntnis gesetzt, ehe im September zu einer Informationsveranstaltung eingeladen wird und im Herbst der tatsächliche Ausbaubeschluss fallen kann.

Montag, 23. Juli 2012

Späte Ehre für einen verfemten Jenaer Top-Mediziner: Die Friedrich-Schiller-Universität Jena enthüllte heute eine Ehrentafel für Prof. Dr. Emil Klein

(lsn / fsu) - Wie Diskriminierung und Menschenverachtung einen hochgebildeten Wissenschaftler in eine Außenseiterrolle drängen und ein Leben zerstören können, dafür steht beispielhaft Emil Klein (Foto links). Am 7. März 1873 im böhmischen Reichenberg (heute: Liberec/Tschechien) als Kind deutsch-jüdischer Eltern geboren, studierte Klein Medizin an der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag und schloss dieses Studium mit Staatsexamen und Promotion ab.

Nur wenige Monate war Emil Klein im Allgemeinen Krankenhaus in Prag tätig, setzte dann aber seine Ausbildung in Berlin fort. Bereits in dieser Zeit galt sein wachsendes Interesse der "Naturheilkunde". 1923 wurde Emil Klein auf Bemühen der Thüringer Landesregierung zum Professor für Naturheilverfahren und Direktor der Poliklinik für Naturheilverfahren an die Universität Jena berufen. Dagegen gab es Widerstand großer Teile des Lehrkörpers, die der Schulmedizin den Vorzug gaben, und nicht zuletzt aus der erstarkenden Jenaer NSDAP, die gegen die Berufung eines "Juden" opponierte.

Klein geriet in eine Außenseiterrolle, die ihm während seiner zehnjährigen Tätigkeit an der Universität Jena ein ständiger Begleiter sein sollte. Deutlich wird dies auch daran, dass seine Familie weiterhin in Berlin lebte, Klein sich also in Jena nie recht heimisch fühlte. Dennoch studierten seine Söhne Steffen-Ernst und Thomas Medizin und fanden eine Anstellung als Assistenzärzte an der Jenaer Universität. Doch die mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten 1933 eingeführten neuen Gesetze führten zur Entlassung und Verfolgung von Universitätsangehörigen aus politischen, rassischen und konfessionellen Gründen. Auch Klein und seine Söhne betraf dies. Makabererweise musste Klein selber seinen Söhnen am 5. April 1933 in seiner Funktion als Direktor der Universitäts-Poliklinik für Naturheilverfahren die Beurlaubung überreichen. Die Söhne protestierten, wurden aber am 30. September 1933 aus rassischen Gründen rechtswirksam entlassen. Ihr Vater erhielt seine Beurlaubung am 28. April und wurde wegen seiner jüdischen Herkunft am 1. Oktober 1933 in den Ruhestand versetzt.

Stück um Stück wurde der Aktionsradius des Akademikers Emil Klein in Jena verkleinert. So wohnte er zunächst in der Johann-Friedrich-Straße 10, ab 1927 Am Fürstengraben in der Hausnr. 6, wo ab 1939 die NSDAP-Kreisleitung saß, während Emil Klein bereits ab 1935 sein Domizil in die Westendstraße 1 verlegen musste.

Klein führte ab 1934 seine eigene Privatklinik in der Hindenburgstraße 17 (heute Am Steiger 17), deren Wirken immer weiter beschnitten wurde. Am 23. Juli 1942 wurde er gemeinsam mit seiner Frau Antonie nach der Verhaftung in Berlin in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo seine Frau starb. Klein überlebte, aber krank, gebrochen und inzwischen verarmt. Die Universität bemühte sich um Rehabilitierung und unterstützte ihn finanziell, was Klein über die größte Not hinweghalf. Er starb am 21. Mai 1950 in Weimar. Bestattet ist Emil Klein auf dem Jüdischen Friedhof in Erfurt (siehe rechts seinen Grabstein).

Dieses jüdischen Mediziners und Wissenschaftlers gedachte die Friedrich-Schiller-Universität Jena am heutigen Montag um 11 Uhr 00 mit der feierlichen Enthüllung einer Ehrentafel. Sie ist am Fürstengraben 6 am heutigen Theologicum angebracht. Die Tafel, die von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität finanziert wird, weist somit nicht nur auf einen herausragenden Wissenschaftler der Universität hin. Sie ist zugleich ein Stück Wiedergutmachung und Aufarbeitung der eigenen Universitätsgeschichte. Begründet wurde die Jenaer Tradition der Ehrentafeln im Jahr 1858 anlässlich des 300. Jubiläums der Jenaer Universität. Damals wurden zunächst 204 Tafeln aufgehängt, zahlreiche weitere folgten in den nächsten Jahren. Die Universität und die Stadt führen diese Tradition bis heute fort.